Beide Seiten im amerikanischen Bürgerkrieg
beteuerten, für die Freiheit zu kämpfen. der Süden war - so Jefferson Davis
im Jahre 1863 - "gezwungen, die Waffen zu ergreifen, um die politischen
Rechte sowie Freiheit, Gleichheit und Souveränität der Einzelstaaten zu
verteidigen, die unsere Vorfahren in der Revolution mit ihrem Blut erkauft und
uns als Erbteil hinterlassen habe". Abraham Lincoln aber hielt dagegen,
wenn der Konföderation dies gelänge, dann würde sie die Union zerstören,
die ebenjene revolutionären Vorfahren "in Freiheit ersonnen"
hätten als "die letzte und einzig wahre Hoffnung" auf den Erhalt
republikanischer Unabhängigkeit in der Welt. "Wir müssen diese Frage
unverzüglich klären", sagte Lincoln 1861 - Die Frage nämlich, "ob
in einem frei gewählten Staatswesen die Minderheit das Recht hat, nach
eigenem Gutdünken die Regierung zu stürzen.
Die Kommentatoren aus dem Norden begegneten dem
Anspruch der Konföderierten, für dei Freiheit zu kämpfen, mit blankem
Spott. "Ihr Motto", so der Dichter und Redakteur William Gullen
Byant", heißt nicht Freiheit, sondern Sklaverei". Allerdings
kämpfte der Norden nicht von Anfang an für die Befreiung der Sklaven. Es ist
nicht meine Absicht, direkt oder indirekt gegen die Institution der Sklaverei
in den Staaten vorzugehen, wo sie bereits besteht", erklärte Lincoln zu
Beginn der Auseinandersetzung. Im Juli 1861 wurde dieser Kurs vom
Unionskongress mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Binnen eines Jahres
aber beschloss Lincoln, - und mit ihm der Kongress -, die Sklavenbefreiung in
den Staaten der Konföderation zur Kriegslosung zu erheben. Und im November
1863, als der Nationalfriedhof von Gettysburg eingeweiht wurde, kämpfte der
Norden für die "Geburt einer neuen Freiheit" mit dem Ziel, die
Verfassung der Gründerväter, unter der die Vereinigten Staaten zum größten
Sklavenhalterland der Welt geworden war, umzuwandeln in dei Freiheitscharta
einer Republik, in der, wie es bei den Nordstaatlern im Text der
Bürgerkriegshymne hieß, "kein Mensch mehr Sklave sein wird". (
Battle Cry of Freedom )
Aus dem Buch von James M. McPherson - Für die
Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges. Aus dem
Bechtermünz Verlag ISBN Nr.: 3-8289-0398-3
Diese politische Streitfrage endete mit dem Beginn
des amerikanischen Bürgerkrieges der erste und zugleich letzte wirklich
große Krieg, der auf amerikanischem Boden stattgefunden hat. Er war der erste
Krieg, der von der Presse und den Fotographen systematisch protokolliert
wurde, und das größte Blutvergießen, das die Weltgeschichte bis dahin
erlebt hatte. Der Ausgang des Krieges hat die nachfolgende Geschichte
aller großen Nationen verändert.